Kategorie: Arbeitsweise

  • Kreativität kennt keine Abkürzungen – Der Vortrag

    Am 20.8.2026 hatte ich die Gelegenheit, meinen Blogpost Kreativität kennt keine Abkürzungen bei der Summer of AI in Bremen in der Kassenhalle der Uni Bremen vorzutragen. Ich habe ChatGPT genutzt, um das Transkript für die Veröffentlichung sprachlich zu glätten, Wiederholungen und Füllwörter zu entfernen und den Text mit Absätzen und Zwischenüberschriften besser lesbar zu machen

    Ich bin Senior Product Designer bei tenics. Wir bauen Software für Satellitensysteme. Einerseits für Satelliten selbst, aber auch für Erdbeobachtungssysteme. Vereinfacht kann man sich das ein bisschen wie Google Maps vorstellen, nur dass man nicht ausschließlich auf bestehende Bilder schaut, sondern auch neue Satellitenbilder anfordern kann.

    Für mich ist das gerade ein ziemlich neues Feld. Ich habe an der HfK studiert, komme ursprünglich eher aus dem Agenturkontext und arbeite mich jetzt immer weiter in diese technischere und wissenschaftlichere Welt ein.

    Gleichzeitig beschäftige ich mich gerade ziemlich viel mit KI und Kreativität. Und mit der Frage, warum ich glaube, dass Kreativität keine Abkürzungen kennt.

    Heute ist es ziemlich einfach, überhaupt irgendetwas zu erstellen.

    Der Designer Jakub Krehel beschreibt ganz gut, dass es mit KI sehr einfach geworden ist, immer noch etwas obendrauf zu packen. Man hat eine Idee und fügt sie einfach hinzu. Die KI sagt: Ja, kein Problem, mache ich dir.

    Am Anfang ist das toll. Das ist so ein bisschen die Honeymoon-Phase mit diesen Werkzeugen. Da ist plötzlich ein Gegenüber, das die ganze Zeit Ja sagt.

    Ich habe das selbst gemacht. Ich habe zum Beispiel eine App gebaut, eine Website und ein kleines Kommandozeilen-Tool, mit dem ich meine Hörbuch-CDs in einzelne Hörbuchdateien umwandeln konnte.

    Das ging alles ziemlich schnell.

    Und währenddessen hat man das Gefühl, man baut hier gerade etwas richtig Tolles. Dann kann man noch dieses Feature einbauen. Dann braucht das Ganze vielleicht noch eine Website. Und wenn man schon dabei ist, kann man auch noch das hier machen.

    Am Ende habe ich keines dieser drei Dinge wirklich veröffentlicht.

    Vielleicht habe ich sie mal Freunden gezeigt. Aber diesen letzten Schritt, das wirklich online zu stellen und zu sagen: Hier ist mein Produkt, benutzt das mal, den habe ich nie gemacht.

    Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich diese Dinge vor allem für mich gebaut hatte. Ich hatte ein Werkzeug, das mir ständig Ja gesagt hat, und habe damit Sachen gebaut, die meinen eigenen Bedürfnissen entsprachen.

    Die Frage, die dabei ziemlich schnell verloren geht, ist: Für wen mache ich das eigentlich?

    Und noch grundlegender: Warum mache ich das?

    Warum mache ich das eigentlich?

    Das Warum ist im Design für mich eine der wichtigsten Fragen.

    Wenn ich jetzt sehr schnell etwas bauen kann und niemand mehr nachfragt, warum ich es eigentlich bauen sollte, dann entstehen eben auch ziemlich viele unnötige Sachen.

    Bei meinen eigenen kleinen Projekten war das genauso. Ich habe sie irgendwann nicht veröffentlicht, weil ich gemerkt habe, dass sie am Ende doch nicht besonders notwendig waren.

    Damit bin ich bei der Frage gelandet, was Kreativsein für mich eigentlich bedeutet.

    Kreativität heißt nicht, die ganze Zeit irgendetwas zu bauen und zu machen. Wenn man sich Definitionen von Kreativität anschaut, kommt man immer wieder auf die Idee, dass vorhandene Informationen neu miteinander verbunden werden.

    Eine Formulierung, die ich dafür ganz schön finde, ist:

    Kreativität ist die Rekombination von Informationen durch Erfahrung.

    Das ist erst einmal so ein dicker Blob als Definition.

    Gemeint ist eigentlich: Wir Menschen machen selten etwas komplett Neues. Wir kombinieren Dinge neu. Everything is a Remix.

    Ich nehme also etwas, das schon da war, und kombiniere es mit meiner eigenen Erfahrung. Dazu gehört meine Lebenserfahrung, aber genauso das, was ich gelernt habe oder womit ich mich beschäftige.

    Und diese Erfahrungen ändern sich.

    Deshalb kann jemand mit Mitte 20 etwas schreiben und Jahrzehnte später auf denselben Text schauen und ihn anders schreiben wollen.

    Stephen King hat zum Beispiel den ersten Band seiner Dunklen Turm-Reihe viele Jahre später noch einmal überarbeitet. Er hatte sich als Autor verändert. Seine Erfahrungen waren andere geworden und entsprechend hat er auch seinen eigenen Text anders gesehen.

    Das ist für mich ein wichtiger Teil von Kreativität. Die eigene Erfahrung fließt in das ein, was wir machen.

    Und genau da sehe ich ein Problem, wenn wir anfangen, bei kreativen Prozessen überall Abkürzungen einzubauen.

    Das Beispiel Miro

    Ein gutes Beispiel dafür ist für mich Miro.

    Miro ist während der Corona-Zeit ziemlich bekannt geworden. Im Grunde hat man dort ein riesiges Whiteboard im Browser, kann Sticky Notes darauf kleben und gemeinsam Workshops machen.

    Inzwischen gibt es dort natürlich auch KI-Funktionen.

    Eine davon kann Sticky Notes automatisch clustern.

    Man hat also vielleicht gerade ein Meeting gemacht. Alle haben ihre Gedanken aufgeschrieben. Danach markiert man die ganzen Notizen und sagt der KI: Cluster mir das mal.

    Dann werden die Notizen zum Beispiel anhand bestimmter Keywords sortiert.

    Das sieht erst einmal sinnvoll aus.

    Für mich ist das aber genau so eine Abkürzung, bei der etwas verloren geht.

    Wenn ich mit anderen Menschen diese Notizen selbst sortiere, muss ich miteinander reden.

    Warum hast du diese Notiz geschrieben?

    Was meintest du damit?

    Warum gehört das für dich in diese Gruppe?

    Vielleicht bin ich anderer Meinung und wir müssen erst einmal versuchen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

    Das dauert.

    So ein Austausch kann eine Stunde dauern. Es gibt Workshops, die über mehrere Tage gehen. Das ist natürlich langsamer, als alle Sticky Notes zu markieren und auf einen Button zu drücken.

    Aber die Informationen entstehen eben auch in diesen Gesprächen.

    Wenn die KI das Clustering übernimmt, bekomme ich am Ende Gruppen. Vielleicht entstehen dabei sogar Kombinationen, auf die wir selbst nicht gekommen wären.

    Ich weiß aber nicht unbedingt, warum diese Kombination entstanden ist.

    Und für mich ist das der gefährliche Teil.

    Gerade wenn man in Bereichen arbeitet, in denen Kreativtechniken weniger bekannt sind, sind solche Abkürzungen sehr verlockend. Sie sehen einfach aus und produzieren schnell ein Ergebnis.

    Und häufig wird dann vor allem dieses Ergebnis wahrgenommen.

    Da steht jetzt etwas. Also sind wir fertig.

    Der Prozess davor verschwindet.

    Der Prompt ist interessanter als der Output

    Lionel Dricot, der im Internet Ploum heißt, hat dazu einen Gedanken formuliert, der mir sehr gefällt.

    Bei einem Chatbot konzentrieren wir uns sehr stark auf das, was am Ende herauskommt.

    Dabei ist eigentlich interessant, was wir vorher hineingeschrieben haben.

    Was sind meine Gedanken? Was ist meine Motivation? Warum möchte ich das überhaupt realisiert sehen?

    Das sind meine Informationen.

    Was am Ende herauskommt, ist bereits durch das Modell und durch die Firma geprägt, die dieses Modell gebaut hat.

    Deshalb finde ich den Prompt in diesem Zusammenhang fast interessanter als den Output.

    Da steckt der Grundgedanke drin.

    Und der Mensch ist weiterhin die Person, die entscheidet und ihre Erfahrung mitbringt. Menschen haben Gefühle, ändern ihre Meinung und sind manchmal unvorhersehbar. Genau das unterscheidet diesen Prozess von einem rein analytischen.

    Wenn ich also etwas schreiben oder gestalten möchte, interessiert mich zuerst der Gedanke, mit dem ich hineingehe.

    Warum möchte ich das machen?

    Wo KI mir trotzdem hilft

    Das heißt für mich nicht, dass diese Werkzeuge in meiner Arbeit keinen Platz haben.

    Gerade bei tenics beschäftigen wir uns mit ziemlich komplexen Systemen. Satelliten, Erdbeobachtung und die Software darum herum sind für mich als Designer Dinge, in die ich mich selbst erst einmal einarbeiten muss.

    Da kann es sehr hilfreich sein, schnell etwas zu bauen.

    Ich kann mit KI aus einer Idee einen ersten Prototyp machen und damit zu jemand anderem gehen. Dann haben wir etwas, das wir uns gemeinsam anschauen können.

    Und dann können wir darüber reden.

    Genau da finde ich diese Geschwindigkeit interessant.

    Ich möchte schneller etwas haben, über das ich mit anderen Menschen sprechen kann. Ich möchte aber das Gespräch selbst nicht wegoptimieren.

    Das ist ungefähr der Punkt, an dem ich gerade mit dem Thema stehe.

    KI kann mir helfen, Dinge schneller sichtbar zu machen. Aber warum ich etwas machen möchte und was ich aus den Erfahrungen anderer Menschen daraus lerne, muss weiterhin Teil des Prozesses bleiben.

    Deshalb glaube ich, dass Kreativität keine Abkürzungen kennt.

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    Wenn ich an den Umstieg auf Linux als Designer denke, ist das Erste, was mir in den Sinn kommt, die Frage, wie ich weiterhin meine bekannten Tools nutzen kann. Viele von uns haben ihre Werkzeuge um, um Design-Prozesse im Team zu steuern und wollen das natürlich einfach weiterführen. Die gute Nachricht ganz am Anfang: Da das meiste eh Browserbasiert ist, ist der Umstieg auch hier kinderleicht. Aber warum sollte man auf einem Open-Source Betriebssystem einfach so weitermachen?

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    Mal ehrlich: Wie schlimm kann es wirklich werden? Die meisten Dinge, die wir heutzutage tun, finden sowieso im Browser statt. Und meine private Hardware würde ich einfach mitnehmen. Um die soll es hier auch kurz gehen, denn ich bin der Meinung, dass ich nach jahrelangem Rumprobieren ein gutes Setup gefunden habe.

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  • Als Designer auf Linux umsteigen – Die ersten Tage

    Als ich dieses Jahr meinen neuen Job als Senior Product Designer bei tenics anfing, wurde mir eine Sache klar, die ich sehr gut und spannend fand, aber auch eine mentale Herausforderung war. Ich würde ausschließlich mit Linux arbeiten.

    Meinen ersten Mac kaufte ich 2009, es war ein Mac mini, in erster Linie um mich mehr mit Medien beschäftigen zu können. Ich hatte vorher einen Tower-PC mit Windows XP gehabt, den ich aus Interesse ab und zu mal mit Ubuntu booten ließ. Auch über meine Raspberry Pi Abenteuer habe ich ja hier schon mal berichtet und auch ein alter iMac wurde hier schon mal mit Linux gebootet.

    Das waren aber alles Experimente und ich kam schnell wieder in meine Comfort Zone namens macOS zurück. Aber jetzt wurde es ernst und ich werde hier in einzelnen Posts berichten, was mir so passiert ist.

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  • Neue Ordnung

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  • Persönliche Projekte

    Eine der wunderbarsten Erfahrungen in Bezug auf Arbeit war für mich meine Zeit während des Bachelorstudiums. Es war nicht so, dass wir völlige Freiheit hatten – die Themen waren klar vorgegeben. Aber die Umsetzung lag komplett in unserer eigenen Verantwortung. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ein Kommilitone fragte, welche Anforderungskriterien unser Projekt erfüllen müsse, und unser Professor einfach antwortete: „Überleg dir doch selbst welche.“

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  • Sinnvolles Arbeiten statt Selbstsabotage

    Ich denke, ich spreche für viele, wenn ich sage: Ohne ein konkretes Ziel vor Augen fehlt oft die Motivation, etwas zu tun. Am besten lerne ich Neues, wenn ich es direkt in Projekten anwenden kann. Setzt mich mit einer erfahrenen Person in ein Projekt, und ich werde nach und nach mit Interesse kleinere Aufgaben übernehmen – zusätzlich zu meiner eigentlichen Arbeit. So habe ich mir zum Beispiel die Pflege und Verwaltung von Build-Prozessen in einem Webentwicklungsprojekt angeeignet oder die Organisation von Druckaufträgen in einer Abteilung mit mehreren 3D-Druckern für Ingenieure.

    Das Schlimmste für mich ist, wenn ein Projekt kein klares Ziel hat. Ein „Wir machen erstmal und schauen dann“ mag funktionieren, wenn man unendliche Ressourcen zur Verfügung hat – doch selbst dann stellt sich schnell die Sinnfrage.

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  • Der Weg zur Slow Productivity

    Auch wenn ich Cal Newports neues Buch Slow Productivity eher als eine Zusammenfassung seiner bisherigen Werke und Thesen empfunden habe, hat eine spezifische Methode des Zeitmanagements bei mir besonders gut „klick“ gemacht. In der Vergangenheit habe ich bereits darüber geschrieben, wie ich mit Zeitmanagement und Prioritäten umgehe, allerdings fehlte mir bisher ein wirklich gutes Framework für meine Arbeitswoche.

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  • Blogserie: Produktivität, Sinn und Nachhaltigkeit im Berufsleben

    Unsere Arbeitswelt ist schnelllebig – für viele sogar zu schnell und überfordernd. Interessanterweise stelle ich immer wieder fest, dass wir mit all den Messengern und Tools am Arbeitsplatz in eine Art „ADHS-Modus“ geraten sind, in dem unsere Gehirne ständig im Overdrive laufen.

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