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norden.social – Warum man ein Soziales Netzwerk gründet

Am 20.05.2019 habe ich einen Vortrag über die Mastodon-Instanz norden.social auf dem Webmontag gehalten. Dies ist nun eine grobe Verschriftlichung.

Wenn wir uns die derzeitige Landschaft der sozialen Medien anschauen, fällt uns auf, dass alle mindestens ein Merkmal verbindet. Sie sind ein zentrales Netzwerk. Dass heißt, alle Texte, Fotos… alle Daten ihrer User sind auf einem Server versammelt. Würde dieses Netwerk verschwinden, würden somit auch die dort gespeicherten Daten verschwinden.
Gleichzeitig bringt diese Zentralisierung auch ein paar andere Eigenschaften mit sich: Hausregeln, die der Betreiber bestimmt und nicht die Gemeinde der User. Aber auch eine gigantische Anzahl von Accounts und Inhalten, die moderiert werden möchte. Dass gerade diese Moderation nicht sinnvoll umgesetzt wird, zeigen aktuelle Berichte in den Medien von Fake-News, Hassverbreitung im Netz und nahezu willkürliche Sperrung von Accounts.

Das Fediverse ist weit mehr als nur Mastodon

Das ziel von dezentralen Netzen ist es, zwar ein Netzwerk zu sein, doch mit Usern die sich auf verschiedenen Servern verteilen. Ähnlich wie E-Mail, wo sich zwar alle gegenseitig schreiben können, aber nicht auf dem Selben Server sein müssen.

Mastodon ist ein verteilter Mikroblogging-Dienst, der seit 2016 von Eugen Rochko entwickelt wird, einem deutschen Programmierer aus Jena. Im Gegensatz zu großen Plattformen wie Twitter ist Mastodon als dezentrales Netzwerk konzipiert, ähnlich wie GNU Social. Benutzer können einer beliebigen Instanz beitreten oder selbst eine eigene betreiben.

Wikipedia – Mastodon (Software)

Mastodon ist eines dieser dezentralen Netze, Twitter nicht ganz unähnlich, und hatte 2018 seinen letzten großen Hype nachdem wieder eine große Meldung nacheinander über Facebook & Co. durch die Medien getrieben wurde. Ich meldete mich schon 2017 auf der Hauptinstanz an und bemerkte, dass viele Leute sich dort auch anmeldeten. Diese Instanz wuchs und wurde somit zum Sammelbecken des Netzwerks, obwohl doch die eigentliche Idee war, sich auf vielen Instanzen zu verteilen.

Viele kommunizierende Instanzen, statt nur ein einziger Server.

Da ich kein Backend-Entwickler bin, suchte ich einfach öffentlich nach jemanden, mir helfen könnte. Ich dachte mir, dass man doch einfach eine Norddeutsche Instanz gründen könnte und somit etwas für die Community tun kann.

Ziemlich schnell kam Benny auf mich zu und bot mir an das komplette Hosting auf DigitalOcean zu übernehmen (natürlich als Teamaccount) . So wurde ich Admin und Moderator auf der Mastodon Intanz norden.social.

Der Alltag auf der Instanz als Moderator

Das was uns alle nervt sind Trolle, oder andere merkwürdige Leute im Internet. Bei Mastodon kann man natürlich auch Accounts melden, die unangenehm auffallen. Anders als bei anderen Systemen, wird hier aber ein echter Mensch herangezogen. Im Fall von norden.social, somit auch ich.

Ein typischer Troll

Um das Miteinander in der Community meines Podcasts besser zu gestalten, hatte ich ein paar Richtlinien zusammengeschrieben. Diese nutze ich derzeit in einer erweiterten Form auch für norden.social. Diese sind konstant in einem “Work in Progress” zustand und können sich daher immer Ändern.
Daher ist die folgende Liste in der aktuellsten Form auf der Instanz zu finden.

  • Sei kein Arschloch. Du hast eine Meinung? Das ist gut aber bitte beleidige niemanden bei deinen Äußerungen.
  • Respektvoller Umgang. Mach dich nicht lustig über andere und sei nicht herablassend. Du möchtest auch mit Respekt behandelt werden.
  • Diskriminiere niemanden. Rassistische, sexistische, frauenfeindliche, homophobe, antisemitische und andere menschenfeindliche Beiträge sind bei uns verboten!
  • Halte dich an Gesetze. Ganz einfach. Auch im Internet kann man angezeigt werden.
  • Du bist für deine Privatsphäre verantwortlich. Wenn du nicht willst, dass etwas im Internet über dich steht, veröffentliche es nicht.
  • Wir legen Wert auf eine gesunde Kommunikation untereinander. Falls du deinen Account nur benutzt um Links zu teilen und ohne Rücksicht Crossposter verwendest, werden wir Admins uns bei dir melden.

Und das macht jetzt alles besser?

Ja, macht es tatsächlich. Ich finde die dezentrale Idee viel passender für ein Microblogging System, da es den Nutzer*innen eine viel größere Entscheidungsfreiheit gibt, wo ihre Inhalte gespeichert werden. Theoretisch kann auch einfach eine private Instanz mit nur einer Person aufgesetzt werden, die sich dann an das Mastodon-System anschließt.
Ganz nach den Prinzipien des Indiewebs, ist es außerdem für mich als “Content Creator” eigentlich eine Pflicht, nicht nur (mittlerweile Fragwürdige) Medien zu nutzen, sondern auch Möglichkeiten für Andere zu bieten, Inhalte zu verbreiten. Diese These muss aber wahrscheinlich von mir in einem anderen Artikel behandelt werden.

Bei Fragen, Anmerkungen oder Kritik könnt ihr mich gerne bei Mastodon oder Twitter ansprechen.