Meine Beobachtungen als Mastodon-Admin

Disclaimer: Dieser Text wurde nicht mit den anderen Admins von norden.social abgesprochen.

Seit ein paar Wochen muss ich immer mal wieder an die wundersamen Situationen denken, die mir/uns als Admins von norden.social widerfahren sind.

Sei es, dass wir nicht schnell genug wegen der Zeitverschiebung auf rassistische Accounts auf unserer Seite reagieren konnten und somit bei mehreren lateinamerikanischen Instanzen geblockt worden sind, Leute, die das mit der freien Meinungsäußerung lieber so wie in den USA haben wollen, viel schlauere Admins, die nur selber auf ihrem Kleiderschrank hosten oder Menschen die uns „die Hölle auf Erden“ machen wollten.
Nebenbei wird dann noch höflich darüber geredet, dass man XY eben nicht „wohl noch sagen“ darf.
Ehrlich gesagt ist das wahrscheinlich nichts besonderes. Alle anderen Mastoadmins werden ähnliche Dinge erlebt haben. Am Ende ist dies nur der berüchtigte „Storm in a Teacup“. Nicht der Rede wert und ich mache das ja nun auch schon seit vier Jahren. Da hab ich mich dran gewöhnt.

Was mich nur wundert, ist, wie oft die Menschen dadurch ihr Wesen offenbaren. In mancher Hinsicht denke ich, dass sich viele als sehr wichtig empfinden. Ein kleiner Fehler einer anderen Person oder eine leicht andere Meinung wird als gigantischer Affront wahrgenommen. Am Anfang hat mir das noch zu schaffen gemacht. Heute wundere ich mich nur noch.
Das hat denke ich nichts damit zu tun, dass die Leute von anderen sozialen Netzwerken kommen und Mastodon nicht gewohnt sind. Ich glaube, dass wir einfach sehr viele Leute in unserer Gesellschaft haben die so denken. Es ist nicht immer einfach auf alle Rücksicht zu nehmen. Niemand schafft das. Auf der anderen Seite muss sich aber auch vor Augen geführt werden, dass immer irgendwo ein Mensch mit Gefühlen ist.

Es ist doch so: Mastodon ist vielleicht wie die Discomeile der sozialen Netzwerke. Hier findest du wirklich alles und das ist super. Auf dieser Meile haben sich verschiedene Menschen Läden aufgebaut und sind täglich dabei herauszufinden, wie das eigentlich alles funktioniert. Die wenigsten Leute haben vorher mit mehreren Hundert Menschen gleichzeitig interagiert und versuchen so gut wie es geht, alle Besucher:innen glücklich zu machen. Das funktioniert natürlich nicht immer. Wir haben aber alle eine gewissen Idee davon, wie unser Laden laufen soll und das möchten wir auch so durchsetzen. Ich kenne Instanzen, auf denen NFT’s verboten sind. Auf anderen muss ein Profilbild immer Schwarz-Weiß sein. So etwas haben wir auf norden.social natürlich nicht. Ich finde, dass wir eigentlich ganz moderat sind. Da werden andere Leute natürlich widersprechen, aber auch das ist ok.

Wie in jeder Disco wird es mal Situationen geben, wo vielleicht darauf hingewiesen wird, dass eine bestimmte Sache jetzt nicht in Ordnung ist. Manchmal sind diese Dinge nicht explizit in den Regeln zu lesen. Irgendwo anders ist der Bogen vielleicht nicht so schnell überspannt. Manchmal ist es aber nur die Kleidung (kein Schwarz-Weiß Bild), die dich schon an der Tür abblitzen lässt.
Ich finde, hier ist eigentlich der interessante Punkt. Ich als Discobesitzer habe keine Lust auf eine Diskussion. Besonders, weil andere Leute ja anscheinend keine Probleme mit meinen Regeln haben. Stehen wir uns jetzt als Menschen gegenüber und reden ganz normal? Dann sollte man aber sich bewusst sein, dass man hier gerade nur Gast ist. Manche entscheiden sich gegen eine normaler Unterhaltung und werden unangenehm. Das finde ich schade.

Wie gesagt. Viele machen das hier zum ersten Mal und es stehen keine großen Firmen hinter den Mailadressen oder Accounts, denen ihr schreibt. Wir sind auch nur ein Teil dieser Party, aber müssen aufpassen, dass alles in Ordnung bleibt.

Das ist gleichzeitig vielleicht auch die große Schwäche von Mastodon gegenüber den großen Netzwerken. Hier knarzt und knirscht es überall und meistens wegen Zwischenmenschlichkeiten. Auf Twitter muss ich mir solche Gedanken nicht machen. Da läuft alles recht automatisch und anonym.

Ich wünsche mir, dass wir in jeder Interaktion daran denken. Das hilft übrigens auch beim Anruf bei einer Servicehotline oder anderen Situationen mit fremden Menschen.


4 Antworten zu “Meine Beobachtungen als Mastodon-Admin”

    • Ich denke mal es wird einerseits damit zu tun haben, dass ich ein Muster erkannt habe in dem Verhalten der Menschen und dass mir persönlich scheinbar nichts passieren kann.
      Mir kamen nur einmal wirklich bedenken, als mir mit einer Anzeige gedroht wurde. Wäre da wirklich eine Anzeige gekommen, hätte das sicherlich starke Auswirkungen auf mich gehabt.