Veganuary 2022

Wie wir ja schon aus Digital Minimalism wissen, ist es manchmal gut für eine gewisse Zeit, einfach all seine Gewohnheiten zu unterbrechen und nach einiger Zeit Stück für Stück einige Elemente wieder in sein Leben reinzulassen (ich wollte „Einführen“ schreiben, aber leider musste ich kichern).
Natürlich bin ich mir bewusst darüber, dass es ein Privileg ist, hier über seinen Verzicht zu schreiben und bin dankbar dafür, dass ich in dieser Situation bin.
Auf jeden Fall kam meine Freundin auf die Idee, doch mal den Veganuary zu starten. Tatsächlich scheint das alles gar kein simpler Hashtag für soziale Medien zu sein, sondern eine komplette Organisation.
Eigentlich ganz einfach oder? Als Vegetarier sollte die Umstellung ja kein Problem sein.

Meine Definition von Vegan

Ein veganer oder sogar vegetarischer Lebensstil geht für mich über das Essen hinaus. Selbst als Vegetarier achte ich beispielsweise darauf, dass ich nur Käse esse, in dem mikrobielles Lab zur Herstellung benutzt wurde. Also ist es für mich nur logisch, in diesem Schritt auf Dinge wie vegane Drogerieprodukte zu achten. Trotzdem werde ich jetzt eher auf den Punkt Ernährung eingehen.

Was war gut?

Es ist mittlerweile ziemlich einfach, als Vegetarier „den letzten Schritt“ zu gehen. Viele Firmen stellen sowieso ihre vegetarische Produktpallette auf vegane Zutaten um und daher war es ein leichtes, sich zurechtzufinden. Selbst Dinge wie Skyr gibt es heutzutage als vegane Alternative. Allerdings muss man sich eingestehen, dass zumindest bei der Geschmacksrichtung „Natur“ natürlich immer ein leichter Getreidegeschmack dabei sein wird. Hafersahne eignet sich als Zutat anstatt normaler Sahne aber wunderbar und niemand wird einen Unterschied merken.

Außerdem war ich erstaunt, wie wenig ich Eier vermisse oder überhaupt benötige. Normalerweise esse ich am Wochenende ein Ei oder mache Rührei. Dazu Koche oder Backe ich mit Eiern, wenn das Rezept es vorgibt. Gerade beim Backen war ich erstaunt, wie gut Eier durch Apfelmark (warum gibt es eigentlich Apfelmus, wenn es auch Apfelmark gibt?) Ersetzt werden können. Auch hier merkt keine Sau den Unterschied im Geschmack.

Das Rührei haben wir durch ein Tofu-Tomaten-Gewürz Matsch ersetzt. Schmeckt natürlich überhaupt nicht wie Rührei, aber hier ist mehr Geschmack drin. Irgendwie ist normales Rührei langweilig.

Zudem bin ich von veganen Thunfischalternativen aus dem Glas Fan geworden.

Was war nicht so gut?

Veganer Käse. Irgendwann stellt sich dann doch das Bedürfnis ein, so etwas wie einen Gouda essen zu wollen. Ich habe verschiedene Scheibenkäsealternativen von diversen Herstellern ausprobiert und auch gleich mal Ersatz für Gratinkäse. Von der „Marke mit der Mühle“ beeinflusst, ging ich mit einer ähnlichen „wird fast genauso schmecken“ Erwartung heran. Ich konnte nicht weiter daneben liegen.

Der Gratinkäseersatz ist ok. Wir reden hier von einer leicht cremigen Konsistenz auf der Pizza, die keine Fäden zieht oder irgendwie Ansatzweise wie überbackener Käse wird. Das ist aber zu verschmerzen, denn der Geschmack ist in Ordnung.
Wovon ich wirklich erschrocken bin, ist der Ersatz für Scheibenkäse. Es gab bei jedem Hersteller immer einen penetranten Essiggeruch, der sich leider in der ganzen Küche verteilt hat. Die Lebensmittelindustrie ist anscheinend noch nicht so weit. Kommt später wieder.

Und jetzt?

Nach einem Monat, kann ich wieder ein paar Dinge in mein tägliches Leben zurückholen. Woher ich Käse oder ab und zu Milch hole, habe ich ja bereits erklärt und das werde ich auch so weitermachen. Gerade die Alternativen für Käse sind mir einfach nicht ausreichend genug und ich möchte nicht auf Käse verzichten. Milch werde ich nur kaufen, wenn ich es wirklich will und bereit bin 25km mit dem Rad zum Hof und zurück zu fahren. Auch Eier sind jetzt einfach komplett vom Einkaufszettel gestrichen worden. Hier werde ich aber die Regel anwenden, die ich auch bei der Milch habe.

Interessanterweise war Fisch in diesem Monat gar kein Thema (bis auf meine Entdeckung vom Thunfisch aus dem Glas), aber ich kann auch mit Freude aus früheren Experimenten verlauten lassen, dass auch vegane Fischstäbchen ganz wunderbar sind.

Hinzu kommen noch interessante Gedanken wie „sind vegane Tacos jetzt gesund, weil nur Gemüse und Gewürze drin sind?“. Genau den gleichen Gedanken hatte ich bei Grünkohl.

Veganer Taco

Also. Einfach mal seine Gewohnheiten über Board werfen und gucken, wo man unbewusst Sachen kauft, weil man sie schon immer gekauft hat.
Mal sehen, welches Thema ich mir als nächstes vornehme.


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