Bei der Teilnahme an einem Kreativworkshop wird man oft darauf hingewiesen, dass ein Produkt, das scheinbar Kreativität verkörpert, in Wirklichkeit das Ergebnis harter Arbeit ist.
Jede und jeder kann kreativ sein. Man muss nur am Ball bleiben. Das verärgert manche Menschen vielleicht sogar, denn ihnen wird durch die Blume gesagt, dass sie keine Entschuldigung haben, sich nicht hinzusetzen und einfach anzufangen, etwas zu tun. Man wird unweigerlich besser, je öfter und länger man etwas tut. Der Abbruch dieses Prozesses ist eigentlich die Kapitulation vor sich selbst.
Kreativität ist meiner Meinung nach aber viel mehr als das und wird somit zum Hyperobjekt (mein neues Lieblingswort), etwas, das real ist und unser Leben beeinflusst, aber zu groß, verteilt oder langlebig, um es als Ganzes erfassen zu können. Sie ist Grundsätzlich erstmal nur die Rekombination von Informationen.
Nur durch die Erfahrung, die ich in meinem Leben mache, kann ich immer besser und strukturierter die Informationen, die auf mich einwirken einordnen.
Ein kreativer Umgang kann eines der Ventile sein, die diese Einordnung vollbringen können.
Erfahrung macht, dass ich über das Erlebte anders nachdenke und je älter ich werde, anders verarbeite. Wie oft liest man von Künstler:innen, die mit einem gewissen Abstand auf ihre früheren Werke sagen, dass sie heute alles ganz anders machen würden. Steven King zum Beispiel hat das erste Buch seiner Gunslinger Saga Jahrzehnte später sogar noch einmal überarbeitet.
King revised The Gunslinger in 2003. In his introduction to the new edition, King stated that he felt the original version was „dry“ and difficult for new readers to access.
Wikipedia
Gerade über seine eigenen Erfahrungen und Interpretationen zu sprechen, oder zu schreiben, macht den eigenen Output erst interessant. Es besteht die Gefahr, dass gerade diese eigene Perspektive durch die Nutzung von KI-Tools verloren geht.
Miro führte vor einiger Zeit ein Clustering-System ein, wo auf magische Weise Sticky notes sortiert und in Relation zueinander gesetzt werden. Für mich ist dieses Feature ein gutes Beispiel für den gut gemeinten, aber am Ende desaströsen Einsatz von KI.
Die wertvollen Interaktionen im Team werden einfach übersprungen. Kein Abschweifen und durch Zufall auf andere Ideen kommen. Die harten Fakten werden sofort präsentiert und als Lösung verkauft. Es wurde Zeit gespart und dabei so viel auf der Strecke liegen gelassen.
And it’s the last point that’s key. Outsourcing this to an LLM (or anything else, for that matter) is a bit like sending them on your holiday instead of going yourself.
David O’Brien
Und dennoch ist die Büchse der Pandora geöffnet und wie ich hier schon mehrfach erwähnt habe, nutze ich sie relativ häufig. Meist, um mir selbst Werkzeuge in wahnwitziger Geschwindigkeit für meine eigenen Projekte zu bauen. Einige Funktionen in diesem WordPress-Theme hätten mich wahrscheinlich Monate gekostet oder wären nie zustande gekommen. Jetzt lasse ich es mir in ein paar Abenden programmieren.
Die Wahrheit ist aber auch, dass man sich verleiten lässt, unglaublich viele unnötige Dinge zu konzipieren. Ich glaube, dass ich mehr Pull Requests auf GitHub geschlossen habe, als gemerged.
AI makes adding things easier than it ever was. It’s very tempting and it’s much easier than removing something.
Jakub Krehel
Für mich ist daher klar: Wenn ich KI nutzen will, dann höchstens nur, um mir selber ein Werkzeug zu erschaffen. Es darf allerdings niemals dazu kommen, dass die Arbeit für mich gemacht wird oder dass das Werkzeug eigene Entscheidungen treffen kann.
Meiner Meinung nach bewahre ich mir somit mein eigenes kritisches Denken und meine Projekte fallen nicht in den eintönigen Eintopf der KI-Suppe.
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