Gedanken zu KI in 2025

Ich muss zugeben, dass ich, für meine eigenen Verhältnisse, nicht tief in das Thema KI eingestiegen bin. Das mag damit zusammenhängen, dass ich dieses Jahr neben dem eigenen Interesse keine Notwendigkeit gesehen habe, mich mit den Produkten auseinanderzusetzen, die da von Firmen wie Figma erschienen sind und sofort Leute auf LinkedIn den Untergang der UI-Designer prognostizieren ließen.
Meine eigenen Erfahrungen basieren darauf, dass ich mit Copilot und Codex ein Child-Theme für das Standard-Theme twentytwentyfive von WordPress zusammenbauen, mir ein Paar meiner Blogposts für LinkedIn kürzen und ich ChatGPT als sowas wie ein intelligentes Notizbuch nutzte. Dies und ein paar Artikel, die ich gelesen habe, ließen mich aber kritischer werden.

The more AI is involved in problem framing, the lower you go on that maturity ladder; the focus on human mental models becomes replaced by simple shortening logic. Any chance of generating a sense of ownership is gone, because the humans are not active participants in the process of knowledge creation.

Pavel Samsonov

Dieses Zitat bringt mein Gefühl gut auf den Punkt. Wenn ich die Person bin, die einem Angestellten Anweisungen gibt, wie viel meiner eigenen Gedanken stecken dann im Ergebnis? Kann das Ergebnis gut werden, wenn nicht meine eigene Kreativität hineingeflossen ist? Für manche Bereiche ist es egal, wie toll geschrieben diese oder jene Zeile Code ist, aber sollte ich mich nicht schlecht dabei fühlen, meine Blogposts von einer KI durch den Fleischwolf gedreht zu haben, damit sie in einem Post besser performen?

While LLMs offer immediate convenience, our findings highlight potential cognitive costs. Over four months, LLM users consistently underperformed at neural, linguistic, and behavioral levels.

MIT Media Publication

Es gibt Menschen, die einfach alles in eine KI werfen, ohne darüber nachzudenken. Ich muss zugeben, dass ich am Anfang für Tests mir auch diese Späße erlaubt habe, die Thesen diverser Medientheoretiker gegeneinanderzustellen.

In den letzten Wochen, die ich mit ChatGPT verbracht habe, nutzte ich den Chatbot dazu, Themen besser einzuordnen. Ich wollte keine neuen Erkenntnisse, sondern konfrontierte es mit meinen Gedanken und fragte, ob es irgendwie Verbindungen zwischen ihnen herstellen kann. Für diesen Post glich ich sogar die Thesen von Philosophen, die ich in meinem Studium kennengelernt hatte, ab. Natürlich muss man die Themen kennen und nicht einfach nur den Aussagen glauben. Beispielsweise hat ChatGPT einfach mal die heißen und kalten Medien von McLuhan verwechselt.

Niklas Barning

Aber was für ein Gefühl hinterlässt das intensive Nutzen dieser Systeme bei dir? Gerade bei der Entwicklung dieses Child-Themes kam ich oft an den Punkt, dass ich mich fragte, ob es nicht einfacher gewesen wäre, selber wieder in PHP- und WordPress-Coding einzusteigen und dabei noch zu lernen. Klar, schlechter Prompt rein, schlechtes Ergebnis raus. Dennoch gab es die häufigen Situationen, wo sich Codex in einer Herangehensweise festgefahren hat und sich nicht davon abbringen ließ, ein bestimmtes Problem unnötig komplex zu lösen. Am Ende war ich froh, dass ich Hilfe dabei hatte, den Überblick zu bewahren. Die kreative Arbeit und Planung liegt bei mir selbst und das ist auch gut so.

If you are tempted to use an LLM to generate a text, don’t publish the output of the LLM. Publish the prompt! That’s where your information is. It is what people want to hear.

Ploum

KI ist für mich momentan der Partner an meiner Seite, um komplexe Themen runterzubrechen oder zu verstehen. Die wirkliche Arbeit entsteht in meinem Kopf. Ich bin der Navigator. Wie sehr etwas, das durch intensives Prompting entstanden ist, dann doch wieder ein kreatives Produkt ist, muss ich für mich allerdings selber noch beantworten.

Beim tippen dieser Zeilen lief die Vinyl "Watch Us Cook (Indie Arena Record 2025)" im Hintergrund.
Fediverse reactions

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