Was eine Kindersicherung über UX verrät

Anhand der Kindersicherung kann ich feststellen, wie ernst deine Firma UX nimmt.

Seit ich Vater bin, weiß ich: Alles in der Wohnung kann ein potenzielles Spielzeug sein. Daher nutzen wir bei der Waschmaschine und den Thermostaten die Kindersicherung. Und hier fängt das Problem an: Die Waschmaschine piept, wenn eine Taste gedrückt wird, und die Thermostate machen ein Klickgeräusch. Das heißt, das Interesse beim Kind ist geweckt und das Gerät wird bespielt. In unserem Fall ist es sogar möglich, die Waschmaschine auszuschalten.

Frontansicht einer Waschmaschine. Das Bedienfeld zeigt ein digitales Display mit rot leuchtender Restzeit „0:38“ und mehreren Symbolen für Waschprogramme. Rechts befindet sich ein Drehregler für verschiedene Programme wie „AllergiePlus“, „Sportswear“, „Extra Fein“ und „Sanft Schleudern“. Einige Funktionstasten links des Displays sind beschriftet mit „Bügel-leicht“, „Spülen plus“, „Speed Perfect“ und „Eco Perfect“. Auf der rechten Seite ist ein Stück Klebeband zu sehen.

Da stellt sich mir natürlich die Frage, ob irgendwer aus dem Team jemals wirklich mit dem Gerät zu einer Familie gegangen ist und ordentliche Tests durchgeführt hat.
Ich führe bei diesem Thema immer gerne den über zehn Jahre alten Artikel über den Entstehungsprozess des iPad-Spiels Zicke Zacke Hühnerkacke an:

Only actually trying out games with kids gives you the insight to make a game that is approachable and interesting for different age groups. So we visited the kindergartens with beta versions of the game, played with them and watched them play with each other. One of our first observations was, that kids do not touch the iPad in the way we adults would have expected them to.

Aber selbst ohne Tests sollte meiner Meinung nach folgender Grundsatz gelten:

Eine gute Kindersicherung sollte das Kind nicht erst darauf aufmerksam machen, dass eine Interaktion möglich ist. Die Erwachsenen wissen entweder, dass die Sicherung aktiv ist, oder sie werden durch einen unaufgeregten Hinweis darauf aufmerksam gemacht. Piepen oder Blinken führt nur dazu, dass das Kind zum Spiel ermutigt wird.

Ein positives Beispiel ist die Nintendo Switch. Neulich vergaß ich das Gerät auf dem Sofa, und natürlich nahm mein Kind es am nächsten Morgen in die Hand und spielte an den Knöpfen. Zu meiner Überraschung ging der Bildschirm nicht an. Die Switch hat standardmäßig bereits einen Kinderschutz eingebaut, der mir bisher nie aufgefallen war. Man muss nämlich den kleinen Power-Knopf drücken und dann dreimal eine andere Taste. Das geht Erwachsenen schnell von der Hand, doch für Kleinkinder ist es eine Hürde.

Und vielleicht ist genau das der schönste Moment im Design: Wenn etwas so selbstverständlich funktioniert, dass es niemand bemerkt. Es ist im positiven Sinne einfach Langweilig.

Fediverse reactions

Comments

2 Antworten zu „Was eine Kindersicherung über UX verrät

  1. Avatar von Rainer König

    @niklasbarning

    A software tester walks into a bar.

    Walks into a bar

    Runs into a bar.

    Crawls into a bar.

    Dances into a bar.

    Flies into a bar.

    Jumps into a bar.

    And orders:

    a beer.

    2 beers.

    0 beers.

    99999999 beers.

    a lizard in a beer glass.

    -1 beer.

    "qwertyuiop" beers.

    Testing complete.

    A real customer walks into the bar and asks where the bathroom is.

    The bar goes up in flames.

    Quelle: https://www.reddit.com/r/Jokes/comments/prdi4x/a_software_tester_walks_into_a_bar/

  2. […] Niklas Bar­ning über Kin­der­si­che­run­gen. […]

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