Rødecaster Pro – Wie ich aufhörte mich um die Aufnahme zu sorgen

Im September 2019 verkaufte ich die komplette Audioausrüstung meines Podcaststudios und stieg auf ein Gerät um, welches mir bis heute nur Freude und keine Kopfschmerzen bereitet hat.

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Ein Tisch mit dem kompletten Podcast Setup
Das ist das komplette Setup für den Podcast

Das Podcaststudio von Gefährliches Halbwissen bestand damals aus einem Tisch, auf dem ein Verstärker für 4 Kopfhörer und ein Controller zur Bedienung des Computers stand. Ein 4-Kanal Soundinterface, welches die Mikrofonesignale annahm und das Gesamtsignal an den Kopfhörerverstärker schickte. Ein iMac, an dem das Soundinterface und der Controller angeschlossen war. Dieser Computer war das Kernstück des Studios, übernahm die Aufnahme und manchmal auch einen Livestream.

Das Studio
Das alte Studio

Irgendwie war das so über die Jahre gewachsen und mich nervte immer mehr, dass an immer verschiedenen Stellen etwas nicht funktionierte. Außerdem war dieses Setup so angsteinflößend, dass sich niemand getraut hat, alleine eine Folge aufzunehmen.

Dann kam Røde mit dem Rødecaster Pro um die Ecke.

Der Rødecaster vereint alle Geräte, die ich vorher benutzt habe, in sich und kann sogar mehr. Wir können vier Mikrofone anschließen, vier Kopfhörer, haben ein integriertes Soundboard, Bluetooth, USB und sogar einen Anschluss für TTRS.

Um zu demonstrieren, wie mächtig dieses Gerät ist, beschreibe ich mal ein maximales Setup.
Wir nehmen einen Podcast mit vier Leuten auf. Diese Leute haben ihr eigenes Mikrofon und ihren eigenen Kopfhörer. Die Kopfhörer und die Mikrofone können natürlich alle einzeln in der Lautstärke eingestellt werden. Wenn ich nur mal eben schnell alles einstellen möchte, kann ich im Touch-Interface über Presets einstellen, ob die Stimme eher Laut/Leise ist und ob sie Tief/Hoch spricht.
Über eine App auf dem Rechner habe ich vorher Jingles und Musik auf die Pads des Soundboards geladen und eingestellt, ob sie nur einmal abgespielt werden oder loopen.

Weil ich so hipp und gleichzeitig auf Instagram live sein möchte, habe ich noch über ein TTRS-Kabel mein Smartphone angeschlossen und kann die Stimme von einer über Instagram eingeladenen Person aufnehmen. Natürlich können alle mit ihr Sprechen.
Eine der vier Personen vor Ort hat Musik von ihrem neuen Album mitgebracht und will sie übers Smartphone abspielen. Das weitere Smartphone habe ich einfach über Bluetooth eingebunden und kann es mit in die Aufnahme nehmen.
Der Podcast muss noch irgendwo gespeichert werden. Ich stecke also eine Micro-SD Karte in das Gerät und drücke den großen Aufnahme-Knopf. Wenn ich direkt auf dem Computer aufnehmen möchte, kann ich die Multitrack-Spur natürlich auch dort aufnehmen und gleichzeitig als Backup den Rødecaster aufzeichnen lassen.

Wenn ich so darüber schreibe, hört es sich sehr kompliziert an. Ist es tatsächlich aber nicht. Das Interface ist sehr aufgeräumt und die wesentlichen Funktionen erschließen sich sofort. Ich habe das Gerät schon mehrmals Kevin und Pascal mitgegeben und sie hatten keine Probleme beim ersten Versuch, ohne ein Handbuch einen Podcast aufzunehmen.

Ok, kommen wir zum Nerdtalk!

Da wir jetzt unter uns sind und alle anderen den Tab geschlossen haben, können wir ein bisschen über die Details reden.

Das Touch-Interface im Schnelldurchlauf

Das Rødecaster kommt mit dem Versprechen, am Ende einen fertigen Podcast aufgenommen zu haben. Das Stimmt sogar im Großen und Ganzen. Die Presets für Mikrofone, EQ und Leveling haben in mir noch keine Bedürfnisse geweckt, irgendetwas anpassen zu wollen. Auch sind die Kompressoren, Gates etc von Haus aus sehr gut eingestellt. Ein einziges Mal, als wir bei strömenden Regen aufnahmen, kam das Gerät an seine Grenzen. Dort kann auf der Aufnahme gehört werden, dass der Regen im Hintergrund eigentlich hätte weiterrauschen müssen. In der Aufnahme wird das Regengeräusch aber abrupt nach dem Sprechen abgehackt. Das ist wirklich ein Ausnahmefall, aber wenn ihr einen Podcast neben den Niagarafällen aufnehmen wollt, solltet ihr vielleicht noch mal in die Einstellungen gucken.

Apropos Einstellungen: Es kann natürlich jeder Effekt, jeder Kompressor eingestellt werden. Ihr könnt euch das Gerät also ganz nach euren Vorstellungen konfigurieren. Beispielsweise ist die Aufnahme auf der SD-Karte Pre-Fader. Da ich ein verrückter Hund bin, möchte ich meine Musik-Fades auch auf der Aufnahme haben und stellte daher alles auf Post-Fader um.

Eine Remote Podcast Situation
Remoteaufnahmen sind heutzutage wieder Mode

Was mir besonders an dem Rødecaster gefällt ist, dass in Remote-Situationen das gesamte Audiorouting wegfällt. Ich habe ja schon einmal über Tools und Software geschrieben und ich bin so froh, nun alles über Hardware machen zu können.
Das Gerät zeigt sich unter macOS als zwei Audiogeräte. Eins in Stereo und eins in Multitrack. Im Betriebssystem wird nun die Audioausgabe auf das Stereogerät und die Eingabe auf Multitrack gestellt. Das wars eigentlich. Der Computer ist in einer N-1 Schaltung, das heißt alle am Rødecaster angeschlossen Geräte können den Computer hören, aber der Computer sich nicht selbst.
Ich kann also das vorhin Beschriebene Setup fahren, aber zusätzlich noch in einem Jitsi-Call mit vielen anderen Leuten sein und alle können miteinander reden. Das ist wirklich einfach und für mich sogar eines der Killerfeatures. Ich hatte früher immer irgendwo in diesem Setup einen Fehler. Diese Tage sind vorbei!

Irgendwas ist immer

Natürlich habe ich auch etwas zu meckern. Das Gerät speichert den gesamten Podcast als Multitrack-WAV-Datei. Wir haben also eine große Datei, in der alle Spuren sind. Diesen Klops auf den Computer zum schneiden zu übertragen dauert selbst mit USB-C ein paar Minuten. Danach muss die Datei für die Nachbearbeitung wieder in einzelne Spuren aufgesplittet und leere Aufnahmen gelöscht werden.
Jedes…mal…
Warum ich hier an WAV gebunden bin und nicht das schlankere FLAC nutzen darf, ist mir wirklich ein Rätsel.
Auch gehe ich bei jeder Folge noch mal mit Auphonic über die Dateien, um wirklich jede Stimme auf die gleiche Lautstärke auf jeder Spur zu bekommen.
Wer den Rødecaster mit einem Akkupack auf der Wiese betreiben möchte, kann dies mit einem extra USB-Adapter tun.

Mein Fazit

Auch wenn dieser Artikel eigentlich nur beschreibt, wie ich mein Problem mit Geld löste, kann ich den Rødecaster Pro nur weiterempfehlen. Ich habe das Gerät jetzt schon für mehr als 18 Folgen benutzt und kann nicht meckern. Durch die Updates werden Funktionen hinzugefügt, beispielsweise fehlte am Anfang der Mulitrack-Support oder das loopen von Sounds auf dem Soundboard.
Dieses Gerät macht eine keine Probleme und das erleichtert mir meinen Podcast Alltag.

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