Die Zeit füllt sich

Man kennt diese Situation: Irgendetwas geht kaputt, ein Reisepass läuft ab oder man braucht plötzlich ein Ersatzteil, und sofort denkt man sich: Das habe ich doch gerade erst gekauft. Das habe ich doch gerade erst repariert. Das habe ich doch gerade erst beantragt.

Und dann stellt sich heraus, dass es locker zehn Jahre her ist.

Je älter man wird, desto häufiger passiert genau das. Und jedes Mal merkt man ein bisschen mehr, wie viel Zeit eigentlich vergangen ist. Ich glaube aber nicht, dass uns die Jahre an sich erschrecken. Es ist eher die Erkenntnis, wie viel Leben in dieser Zeit steckt. Wie viele Ereignisse zusammenkommen. Wie viel wir erlebt, aufgebaut, verändert haben. Und je älter man wird, desto mehr füllt sich dieses Leben.

Die Zeit rennt also nicht. Sie ist nur im besten Fall prall gefüllt mit Momenten, Menschen und Dingen, die einem etwas bedeuten. Und genau deshalb fühlt sie sich schneller an. Bis irgendwann wieder etwas kaputtgeht, eine Waschmaschine vielleicht, und man realisiert, dass seit der letzten Reparatur ein ganzer Lebensabschnitt vergangen ist, ohne dass man es bewusst gemerkt hätte.

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