Gedanken zur Beyond Tellerrand

Vom 13. bis 15. Mai 2019 findet derzeit die Beyond Tellerrand statt und ich hatte die wunderbare Gelegenheit sie zu besuchen. Die Eindrücke vom ersten Tag waren fast schon zu viel und ich musste meine Gedanken sortieren.

Nachtrag von Tag 2: das Thema „Constrains“ hat sich fortgesetzt. Also veröffentliche ich jetzt diesen Post.

Gedanke 1: Einschränkungen fördern die Kreativität

In dem Eröffnungstalk von Charlie Owen „All Constraints are beautiful“, war für mich schon das Hauptthema des Tages gesetzt worden. In einem Teil erzählt sie von der „Sechs Wörter Geschichte“. Mit nur sechs Wörtern soll eine komplette Geschichte erzählt werden. Auf dem ersten Blick eine unmögliche Aufgabe. Doch dann zeigte sie ein Beispiel: „Baby shoes, never worn“. Herzergreifend und für mich erstaunlich, da ich mich zuerst mit der Aufgabe nicht sonderlich wohl fühlte, nur sechs Wörter benutzen zu dürfen und dann mit einem so genialen Beispiel konfrontiert wurde.

Ein anderer Talk war von Rob Draper „Hard Work, Relentless Dreams and WiFi“, in dem er von seinem professionellen Werdegang erzählt. Was mir auch hier besonders auffiel, war die kreative Energie, die während seiner dunkelsten Zeit (seine Ehe war zu Ende, keinen Job und keine eigene Wohnung) entstand. Er hatte keine Kunden, kein Geld und fing an auf Pappbechern zu malen. Am Ende gingen seine Zeichnungen um die Welt und ermöglichten viele seiner Träume, die er schon als Kind hatte.

Was mir durch den Kopf wandert ist nun die Frage, ob wir uns nicht zu viel Freiheit wünschen und dies eigentlich nicht nur ein Vorwand ist, den wir vor uns herschieben. „Hätte ich mehr Zeit, könnte ich endlich XY machen“. Dabei sollten wir uns eher die Frage stellen, mit welchen Mitteln wir in kurzer Zeit das beste Ergebnis kreieren können. Selbst wenn wir nicht alle Werkzeuge haben, die wir für nötig halten, werden wir einen Weg finden unserer Kreativität freien lauf zu lassen.

Gedanke 2 – Kreativität kommt vor Kommerzialisierung

In einer Unterhaltung am Abend kam die Frage auf, warum Rob Draper oder die Künstlerin Red Hong Yi nicht nach den ersten Anzeichen, dass ihre Arbeit von Leuten gemocht wird, versucht haben diese zu Vermarkten. Sei es über Online-Shops oder Sponsoren. Ihre Geldsorgen wären schnell vorbei gewesen. Sie hätten mindestens Nebeneinkommen gehabt.

Ich glaube, dass es ein ganz natürlicher Prozess des Schaffens ist nicht über den Marktwert der eigenen Arbeit nachzudenken. Wir durchlaufen wahrscheinlich mehrere Phasen des Zweifelns. Sei es beim malen eines Bilder, den Gedankengang das Bild ins Internet zu stellen, es dann tatsächlich ins Internet zu stellen und schließlich beim ersten Feedback von wildfremden Leuten.
Bekommen wir dann Bestätigung, dass das was wir gemacht haben gut ist, schlagen wir diesen Weg ein und produziert mehr. Stellt das neue Produkt wieder ins Internet, schafft sich somit eine Community und so weiter… all das passiert ohne einen kommerziellen Hintergedanken. Wir sind in erster Linie froh, etwas gefunden zu haben, was uns im ersten Moment weiter bringt. Ob das wirklich so ist, oder ob sich das ganze Vorhaben dann als doch nicht so toll herausstellt können wir noch nicht wissen.

Wäre an dem kreativen Prozess als erstes der Gedanke „Wie kann ich mit dem, was ich eventuell machen werde, Geld verdienen“ gestellt worden, würden wir uns eine zu große Hürde aufstellen. Das mag vielleicht für Außenstehende nicht einfach zu verstehen sein. Ich glaube, es ist Teil des natürlichen Vorgangs.

Bei Fragen, Anmerkungen oder Kritik könnt ihr mich gerne bei Mastodon oder Twitter ansprechen.

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