Mir ist aufgefallen, wegen der Berichterstattung über einen gestrandeten Buckelwal in der Ostsee, wie stark Menschen emotional auf Wale reagieren.
Ein Reporter im Radio sprach über das Kinderbuch Die Schnecke und der Buckelwal von Julia Donaldson und Axel Scheffler. Er erzählte, wie er es immer mit seinem Kind gelesen hat. Es ging weniger um das Buch selbst als um das, was daran hängt.
Diese Verbindung scheint schnell da zu sein.
Als Bremer ist mir dabei etwas anderes bewusst geworden. Mein erster „echter“ Kontakt mit einem Wal war kein lebendes Tier, sondern ein Skelett.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Kind darunter stand. Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass mir wirklich bewusst wurde, wie groß diese Tiere sind.
Der Rat der Stadt ließ das Tier außerdem in Lebensgröße malen. Das Gemälde hängt bis heute im Rathaus und zeigt den Wal als dokumentiertes Ereignis.
Ich frage mich, wie sehr mich das beeinflusst hat. Nicht nur dieses eine Erlebnis im Museum, sondern generell das Aufwachsen in einer Stadt, die so nah am Wasser liegt. Die Weser ist immer da. Und mit ihr zumindest die Möglichkeit, dass Tiere aus dem Meer hier auftauchen.
Und wie sehr unterscheidet mich das von jemandem, der zum Beispiel in Bayern aufgewachsen ist?
Ich merke außerdem, dass meine frühen Berührungspunkte mit Walen fast ausschließlich mit toten Tieren zu tun hatten. Mit dem Gestrandeten. Mit dem Skelett. Mit der Erzählung vom Aussterben.
In den 90ern war das ein großes Thema.
Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, jemals einen Wal lebend gesehen zu haben. Vielleicht einen Delfin. Vielleicht auch nur eine Robbe. Sicher bin ich mir nicht.
Was ich aber erinnere, sind Geschichten.
Zum Beispiel die australische Serie Ocean Girl. Sie lief von 1994 bis 1997 und erzählt von einem Mädchen mit einer besonderen Verbindung zum Meer.
Und natürlich Flipper, „der freundliche Delfin“.
Diese Tiere in den Medien waren immer auch ein Stück weit vermenschlicht. Sie waren uns nah, ohne wirklich erreichbar zu sein.
Vielleicht ist genau das der Punkt:
Dass wir Wale oft nicht als reale Tiere kennenlernen, sondern über Geschichten. Über Bilder. Über Ereignisse, die oft auch nicht gut ausgehen. Strandungen. Walfang. Bedrohung.
Darum fiebern wir mit ihnen mit und hoffen, dass sie gerettet werden, obwohl wir doch diejenigen sind, die für ihr Leid verantwortlich sind.
