Alte Imbisse

Neulich war ich mit Freunden im Bremer Viertel unterwegs. Wir liefen an einem kleinen Imbiss vorbei und einer sagte: „Das hier ist noch einer von den Originalen. So sahen früher alle aus.“ Holzvertäfelungen, Fliesen, nichts durchgestylt, so, wie es immer war.

Ich las gerade Things Become Other Things von Craig Mod und wurde sofort aufmerksam. Das Buch ist ein „walking memoir“ über eine rund 300 Meilen lange Wanderung durch die Kii-Halbinsel, einer ländlichen, kaum bekannten Region Japans. Während seiner Reise trifft Mod auf Fischer, Ladenbesitzer, Bauern aber eben auch „kissa“-Betreiber (in etwa kleine japanische Imbisse oder Cafes) und reflektiert im Gehen über Verlust, Zugehörigkeit und den Wandel von Orten. 

Gestern war ich in einem Dönerladen hier in Bremen, und sofort fiel mir auf, wie stark solche Orte geprägt sind. Der Laden war sauber, aber die Fliesen erinnerten an die Achtziger. Alles hatte ein bisschen seinen eigenen Charme.

In den Ketten-Restaurants weiß man, was man bekommt. In solchen Läden nicht immer. Aber genau das macht sie aus. Sie spiegeln die Leute wider, die sie betreiben. Sie bieten nicht nur Gerichte, sondern ihre eignen Interpretationen davon an. Vielleicht sind es sogar Familienrezepte.

Gleichzeitig merke ich, wie selten solche Läden noch geworden sind. Es macht mich traurig, dass sie unweigerlich verschwinden, weil die Besitzer älter werden oder die Mieten zu hoch sind. In Bremen gibt es zwar noch welche, aber immer öfter entstehen neue Imbisse oder Kneipen, die die alten verdrängen. Manche der Kneipen, die in meiner Jugend wichtig für mich waren, sind schon lange weg.

Natürlich ist das ein ganz normaler Prozess. Städte verändern sich. Aber wenn man nach längerer Zeit durch ein vertrautes Viertel läuft, fühlt sich die Veränderung schwerer an. Und vielleicht ist es genau dieser Moment, in dem man merkt: Man selbst ist auch älter geworden.

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