niklasbarning

Medienschaffender & Digitaler Tüftler

Die Trisolaris Trilogie

2021 startete ich mit dem Vorsatz, wieder mehr zu lesen. Ich fragte also rum, was so empfohlen wird und mir wurde „Die drei Sonnen (Remembrance of Earth’s Past)“ ans Herz gelegt.

Der Supertree Grove in Singapur bei Nacht
Ich musste bei der Beschreibung der Städte der Zukunft viel an die Supertrees in Singapur denken

Was folgte, war ein ca. dreimonatiger Ritt durch eine Trilogie, die mich umgehauen hat. Es kommt sehr selten vor, dass ich noch lange nach dem Beenden einer Geschichte über die angesprochenen Themen nachdenke. Diese drei Bücher schafften es jedes Mal und über das Erste habe ich ja schon etwas geschrieben.
Aber genug der Superlative.

Das Problem mit den Charakteren

Das gesamte erste Buch lässt so gut wie alle Personen wie folgt auftreten.

  • Person erscheint und wird vom Autor beschrieben
  • In den meisten fällen erklärt die Person in ihren eigenen Worten ihre Charakterzüge und Eigenschaften. Schön, dass die alle so reflektiert sind
  • Weitere Handlungen der Person sind immer dieser Einleitung entsprechend
  • In 99,9% (keine echte Statistik) der Fälle sind sie männlich

Es ist natürlich schön, sofort zu wissen woran man ist. Aber das war mir dann doch zu einfach und ich las das Buch eigentlich nur wegen der Handlung weiter. Die Personen waren mir ziemlich egal und sollten es auch bleiben.

Erst mit den weiteren Büchern kamen (fast nur männliche) Charaktere hinzu, die mir wichtig wurden. Ein paar der Nebenfiguren erschienen mir etwas leer, aber das war dann auch nicht weiter schlimm.

Menschen in der Zukunft

Wir reden hier von Hard Science-Fiction. Die Bücher machen sehr schnell klar, wie unfassbar lächerlich und klein wir als einzelne Person sind. Schlachtschiffe mit mehreren Hundert Menschen an Bord verbringen Monate, um von A nach B zu kommen. Formationen werden geflogen, bei denen die anderen Schiffe mit dem Auge nicht auszumachen sind. Oder wie Douglas Adams sagt: “Space is big. You just won’t believe how vastly, hugely, mind-bogglingly big it is.“
Das Gefühl der Unbedeutsamkeit wird in den Büchern dauernd getriggert und nur durch das Ende des 2. Buchs unterstrichen.

Wie die Gesellschaft in der Zukunft gestaltet war, gefiehl mir sehr. Durch den Kniff, dass Kälteschlaf möglich ist, wurde ein Dialog zwischen unserer heutigen Welt und der Zukunft möglich. Das Stadtbild war großartig, die Technik aus nachvollziehbaren Gründen… nachvollziehbar.

Spoilertime

Es muss sein. Ich muss ein wenig freier reden können.

Was machst du, wenn in 400 Jahren Außerirdische kommen, um die Menschheit auszulöschen? 3/4 des Buchs befassen sich mit der Reaktion unserer Gesellschaft auf ein globales Problem. Wahrscheinlich sollte es mal eine Metapher zum Klimawandel sein, aber jetzt sehen wir, was die Menschen während einer Pandemie tun. Wahrscheinlich hat mir diese Trilogie ein wenig dabei geholfen zu verstehen, was auf der globalen Bühne passiert.
Tatsächlich sind die Menschen in den Büchern sogar sehr gut dabei weggekommen. Immerhin schafften sie es in kurzer Zeit gemeinsam Ziele zu verfolgen und hatten relativ schnell eine Raumflotte. Nicht schlecht.

Und dann ist da natürlich die Theorie des dunklen Waldes. Warum habe ich eigentlich je geglaubt, das Fermi Paradoxon könnte irgendwie hinhauen? „Fressen und gefressen werden“ ist in der Natur viel verbreiteter und die menschliche Geschichte allein beweist, was passiert, wenn Kulturen aufeinanderstoßen. Warum sollten Zivilisationen überhaupt untereinander vertrauen?
Diese Erkenntnis hat mich als alten Star Trek Fan ziemlich schockiert. Mag ich doch die Vorstellung einer forschenden Weltraum-Vegetarier-Förderation so sehr.

Was passiert eigentlich am Ende? Das war eine komplizierte Apokalypse und ich bin gespannt, wie Netflix in ihrer Serie sie umsetzen will.
Man kann hier auch wieder eine Metapher sehen. Die Zivilisationen des Universums sind so mächtig geworden, dass ihr Lebensraum eigentlich nur noch zu retten ist, wenn sie selber sterben und das Universum resetten.
Die große Macht, die wir besitzen, lässt uns vielleicht eines Tages nur noch zur Erkenntnis kommen, dass es das Beste ist, wenn wir gehen und Platz für etwas Neues machen. Für alles andere ist es dann eh schon zu spät.